Dexter – Das Duracell-Häschen oder einfach unser Fiffi.
Manchmal schickt dir das Leben genau das Pferd, das du gerade brauchst.
Nach Morning Star hätte ich eigentlich gedacht, ich wäre inzwischen auf so ziemlich alles vorbereitet.
Tja …
Dann kam Dexter.
Ein kleines Duracell-Häschen auf vier Beinen, das scheinbar jeden Morgen mit 200 % Akku aufwacht und fest davon überzeugt ist, dass jede Idee sofort ausprobiert werden
sollte.
Und wie so oft in meinem Leben habe ich dieses Pferd gar nicht gesucht.
Es hat vielmehr mich gefunden.
Eigentlich kam der kleine Wallach – damals noch unter dem Namen
Summer Dream – als Berittpferd zu uns auf den Hof.
Seine Züchterfamilie hatte ihn für ihre damals 13-jährige Tochter gezogen. Doch schon bald zeigte sich, dass Summer Dream alles
andere als ein durchschnittlicher Vierjähriger war.
Er war unglaublich intelligent, blitzschnell im Denken, voller Energie und jederzeit bereit, diese auch einzusetzen.
Für ein junges Mädchen war diese Kombination verständlicherweise eine große Herausforderung.
Meine Aufgabe bestand nun darin, einzuschätzen, ob und in welchem Zeitraum sich dieses außergewöhnliche Pferd so ausbilden ließ, dass ein sicheres Miteinander entstehen konnte.
Nach etwa zwei Monaten wurde deutlich:
Ja, es würde möglich sein, aber würde sehr viel Zeit und Geduld benötigen.
Die Familie entschied sich deshalb – der Sicherheit ihrer Tochter zuliebe – für ein anderes Pferd.
Summer Dream stand plötzlich zum Verkauf.
Schnell wurde klar, dass er nicht für jeden Reiter geeignet sein würde.
Und schon gar nicht für eine Ausbildung nach dem Motto:
"Augen zu und durch." Ich glaube, da wäre jemand dabei gestorben ...
Er brauchte jemanden, der seine enorme Energie nicht unterdrückt, sondern versteht und in die richtigen Bahnen lenkt.
Je länger ich darüber nachdachte, desto deutlicher wurde mir:
Eigentlich fehlte genau so ein Pferd noch in meiner kleinen Pferdefamilie.
Nach Gipsys Sensibilität.
Nach Nicos ehrlichem Fleiß.
Nach Mornings introvertierter Gelassenheit.
Kam nun das genaue Gegenteil.
Ein extrovertiertes, hochmotiviertes Dressurtalent mit unendlich vielen Ideen.
Oder eben:
Ein kleiner Fiffi (Abkürzung von Pfiffikus)
Dexter stammt aus einer leistungsstarken Weltmeyer-/Sandro-Hit-Linie
mit zusätzlichem Springblut von Cor de la Bryére.
Ein kleiner Tänzer.
Immer in Bewegung.
Immer voller Ideen.
Immer bereit, etwas Neues auszuprobieren.
Manchmal auch ein kleiner Kamikaze.
Während Morning Star mich gelehrt hat, Geduld zu haben und auch einmal abzuwarten und umgekehrte Psychologie und deren Strategien anzuwenden, fordert Dexter von mir
etwas völlig anderes.
Bei ihm geht es darum, Energie anzunehmen, zu lenken und gemeinsam sinnvoll einzusetzen.
Nicht bremsen.
Nicht kämpfen.
Sondern führen.
Deshalb verbrachten wir zunächst viele Monate ausschließlich am Boden.
Wir spielten, experimentierten und arbeiteten intensiv an seinem Energiemanagement.
Er sollte lernen, seine enorme Motivation nicht zu verlieren, sondern sie gezielt einzusetzen.
Erst als diese Basis geschaffen war, begann unsere gemeinsame Reise unter dem Sattel.
Zunächst ganz entspannt am Knotenhalfter.
Inzwischen arbeiten wir bereits auf Trense und entwickeln uns Schritt für Schritt weiter.
Ich freue mich jeden Tag auf das, was dieser kleine Wirbelwind mir noch beibringen wird.
Denn eines habe ich inzwischen gelernt:
Die besten Lehrmeister sucht man sich nicht aus.
Sie finden einen.
Und so wurde aus Summer Dream schließlich Dexter.
Ein Name, der einfach viel besser zu diesem cleveren, schnellen und manchmal herrlich verrückten kleinen Kerl passt.
Für uns wird er aber wahrscheinlich immer auch ein bisschen der
Fiffi bleiben. Denn er ist ein echter Pfiffikus.
Ich bin gespannt, wohin uns unser gemeinsamer Weg noch führen wird.
Eines weiß ich allerdings schon heute:
Langweilig wird es mit diesem kleinen Duracell-Häschen ganz sicher nie.
Jeder Weg verändert uns...
Mit Morning Star durfte ich lernen, Erwartungen loszulassen.
Er hat mich gelehrt, noch genauer hinzusehen, geduldiger zu werden und manches nicht erzwingen zu wollen, sondern wachsen zu lassen.
Und dann kam Dexter.
Das genaue Gegenteil.
Wo Morning Star jede Energie sparte, sprudelte Dexter förmlich über vor Tatendrang.
Zwei Pferde, unterschiedlicher hätten sie kaum sein können – und doch hatten beide denselben Auftrag:
Sie forderten mich heraus, meine bisherigen Überzeugungen immer wieder zu hinterfragen.
Je mehr unterschiedliche Pferde ich begleiten durfte, desto deutlicher wurde mir, dass kein Ausbildungssystem, keine Methode und kein Konzept jedem Pferd gleichermaßen gerecht werden kann.
Jedes Pferd brachte seine eigene Persönlichkeit, seine eigene Geschichte und seine eigenen Bedürfnisse mit.
Und genau deshalb begann auch für mich ein neuer Abschnitt.
Ich war unendlich dankbar für alles, was ich auf meinem bisherigen Weg lernen durfte.
Für jede Begegnung.
Für jede Ausbildung.
Für jeden Menschen, der mich begleitet und geprägt hat.
Doch gleichzeitig wuchs in mir der Wunsch, nicht mehr innerhalb einer Methode zu denken, sondern von den Pferden aus.
Nicht die Methode sollte bestimmen, was ich tue.
Sondern das Pferd.
So entstand nach und nach mein eigener Weg.
Ein Weg, der bis heute niemals abgeschlossen ist.
Denn ich lerne noch immer.
Von jedem Pferd.
Von jedem Menschen.
Und mit jeder neuen Begegnung wächst auch meine eigene Arbeit weiter.
So ergibt sich auch meine Philosopie ...