Nico – mein barocker Alpenandalusier
Eigentlich hatte ich ja den Traum von einem falbfarbenen Spanier oder Portugiesen ... aber naja, durch meine ganzen jahrelangen Erfahrungen, konnte da kein Pferd meine Kriterien erfüllen oder war schlicht weg unbezahlbar für mich.
So kam es, dass mir meine Eltern übergangsweise einen ihrer Haflinger anboten, der noch bei ihnen auf dem Hof lebte und eigentlich "übrig" war.
In der ersten Zeit sprach ich zwar noch von einem Spanier, aber es war schnell klar, den hatte ich schon ...
... meinen barocken Alpenandalusier Nico.
Mit Nico begann für mich ein ganz neues Kapitel.
Nach all den Jahren mit Gipsy fühlte sich die Zusammenarbeit mit ihm beinahe leicht an. Er war unverdorben, weil bei meinen Eltern aufgewachsen, lernwillig und mit
ganzem Herzen bei der Sache.
Zum ersten Mal durfte ich erleben, wie sich eine Partnerschaft anfühlt, wenn ein Pferd dem Menschen grundsätzlich offen begegnet.
Natürlich hatte auch Nico seine Eigenheiten.
Wenn der Araber in ihm zum Vorschein kam, konnte er innerhalb weniger Sekunden temperamentvoll und hysterisch werden.
Doch durch meine Erfahrungen mit Gipsy hatte ich gelernt, Situationen frühzeitig zu erkennen, ruhig zu bleiben und die passende Strategie zu wählen.
Rückblickend war genau das einer der größten Unterschiede.
Nicht das Pferd hatte sich verändert – sondern ich.
Über den Satz „Haflinger sind doch nur Kinderponys.“ kann ich deshalb heute nur schmunzeln.
Mein kleiner „Büffel im Tütü“ hat mich eines Besseren belehrt.
Er gab immer sein Bestes, obwohl ihm körperlich vieles nicht leichtfiel.
Galoppieren gehörte definitiv nicht zu seinen Stärken. Selbst auf der Weide hatte er große Mühe damit. Statt eines ausbalancierten Galopps gab es meist einen eiligen
Stechtrab oder einen etwas holprigen „Renntralopp“.
Und Seitengänge?
Zunächst musste ich ihm überhaupt erklären, dass die Hinterhand ebenfalls zu seinem Körper gehört und sich durchaus auch seitwärts bewegen kann.
Reiterlich wurde mir mit Nico nichts geschenkt.
Jede Lektion, jede Verbesserung und jeder kleine Fortschritt waren das Ergebnis gemeinsamer Arbeit.
Genau das machte unseren Weg so besonders.
Denn wer hat schon einen geborenen Dressurstar im Stall?
Nico hat mir gezeigt, dass nicht Abstammung oder Talent über die Qualität der Ausbildung entscheiden, sondern Geduld, Verständnis und eine durchdachte
Gymnastizierung.
Ein Haflinger – ursprünglich als Zug- und Wagenpferd gezüchtet – kann genauso leicht, korrekt und mit Freude geritten werden wie jedes andere Pferd.
Während dieser Zeit verlief mein beruflicher Weg zunächst in eine ganz andere Richtung.
Meine Eltern sagten früher oft zu mir:
„Lern doch etwas Vernünftiges und lass die Pferde dein Hobby bleiben.“
Also arbeitete ich zunächst sieben Jahre in der Unfallchirurgie eines Krankenhauses und nach meinem Umzug ins Saarland fast dreizehn Jahre in einer Firma für
medizinische Hard- und Software.
Doch so richtig angekommen fühlte ich mich dort nie.
Denn was bedeutet eigentlich „vernünftig“? Das man viel Geld verdient? Nein, ich war schon immer ein genügsamer Mensch. Geld bedeutet für mich nur, dass man es zum Leben
braucht, mehr aber auch nicht.
Mit Nico machte ich in relativ kurzer Zeit große Fortschritte. Gemeinsam entwickelten wir uns bis zur Arbeit nach den Grundsätzen der
École de Légèreté.
Gleichzeitig begann ich, anderen Reitern mit ihren – oft ebenfalls nicht ganz einfachen – Pferden zuhelfen.
Die positiven Rückmeldungen und die Entwicklung dieser
Pferd-Mensch-Paare brachten mich schließlich zum Umdenken.
Ich wusste plötzlich ganz genau, welchen Weg ich wirklich gehen wollte.
Seit Anfang 2012 durfte ich die Ausbildung zur Reitlehrerin der École de Légèreté nach Philippe Karl beginnen.
Für mich war das die Erfüllung eines lange gehegten Traums.
Ausgebildet wurde ich von Sabine Mosen in der Schule der Leichtigkeit.
Seit 2019 bin ich lizenzierte Reitlehrerin der École de Légèreté.
École de Légèreté trifft Natural Horsemanship.
Für mich passten diese beiden Welten sehr gut zusammen.
Denn es gibt kaum etwas Schöneres, als ein Pferd einzureiten oder weiter auszubilden, das bereits am Boden gelernt hat, was Vertrauen, Respekt und echte Partnerschaft
bedeuten.
Erst wenn diese Basis vorhanden ist, kann auch unter dem Sattel wirkliche Leichtigkeit entstehen.
Ein Zitat von Nuno Oliveira begleitet mich bis heute:
„Man bereitet das Pferd darauf vor, das zu verstehen,
was man von ihm verlangt.
Belohne das Pferd jedes Mal, wenn es etwas gut gemacht hat. Verlange nie mehr von ihm, als es zu geben in der Lage ist.
Mache einen Kameraden aus ihm, keinen Sklaven.
Dann wirst du sehen, was für ein treuer Freund es ist.“
Philippe Karl gab ihm einen Spitznamen, der bis heute perfekt zu Nico passt:
„Der Bavarian Ferrari.“
Und die Reise geht weiter.
Denn Nico bekam gesundheitliche Probleme und somit kam hier noch jemand ins Spiel. Gespannt?
Na dann ... hier kommt Morning Star ...