Mein Weg – und warum ich heute so arbeite.
Wenn ich auf meinen bisherigen Weg zurückblicke, wird mir eines immer bewusster:
Nicht die einfachen Pferde haben mich zu der Trainerin gemacht, die ich heute bin.
Es waren die Pferde, die mich herausgefordert haben.
Die, die mich an mir selbst zweifeln ließen.
Die, die mich gezwungen haben, zuzuhören, statt nur zu handeln.
Jedes einzelne Pferd war ein Lehrer. Egal ob Schüler Pferde oder meine eigenen.
Gipsy lehrte mich Geduld, Vertrauen und Demut.
Nico zeigte mir, wie viel Freude in einer ehrlichen Zusammenarbeit
liegen kann.
Morning Star brachte mich dazu, Erwartungen loszulassen und
den Weg des Pferdes genauso wichtig zu nehmen wie meinen eigenen.
Dexter erinnert mich jeden Tag daran, dass Energie keine Bremse braucht, sondern eine Richtung.
Mit jedem dieser Pferde durfte ich wachsen.
Nicht nur als Reiterin oder Ausbilderin.
Vor allem als Mensch.
Im Laufe der Jahre durfte ich von vielen großartigen Ausbildern lernen. Die klassische Dressur, die Écolede Légèreté, das Natural Horsemanship und die moderne
Biomechanik haben meinen Blick auf Pferde entscheidend geprägt.
Für all dieses Wissen bin ich zutiefst dankbar.
Doch genauso dankbar bin ich den Pferden.
Denn sie haben mich gelehrt, dass keine Methode der Welt jedes Pferd erklären kann.
Heute sehe ich Ausbildungswege nicht mehr als starre Systeme, sondern als wertvolle Werkzeuge.
Werkzeuge, die helfen können – wenn sie zum jeweiligen Pferd passen.
Deshalb arbeite ich heute nicht nach einer Methode. Oder bin "Trainer von ... "
Ich arbeite mit dem Pferd.
Jedes Pferd bringt seine eigene Persönlichkeit, seine eigene Geschichte, seine eigenen körperlichen Möglichkeiten und seine eigene Art zu lernen mit.
Meine Aufgabe besteht nicht darin, das Pferd an eine Methode anzupassen.
Meine Aufgabe ist es, einen Weg zu finden, der zu diesem Pferd passt.
Dafür höre ich zu.
Ich beobachte.
Ich hinterfrage.
Ich lerne.
Und manchmal bedeutet das auch, bisherige Überzeugungen wieder loszulassen.
Ich glaube nicht an Dogmen.
Ich glaube an Offenheit.
An ehrliches Lernen.
Und daran, dass wir Menschen niemals aufhören sollten, uns weiterzuentwickeln.
Deshalb habe ich irgendwann auch bewusst entschieden, mich nicht mehr über den Namen einer Schule oder einer Ausbildungsrichtung zu definieren.
Nicht, weil ich mich von ihnen abwende.
Sondern weil sie ihren Zweck erfüllt haben.
Sie haben mich begleitet, inspiriert und geprägt. Und ich benenne sie auch. Aus Wertschätzung und aus Dankbarkeit.
Heute gehe ich aber auch meinen eigenen Weg.
Einen Weg, der all dieses Wissen in sich trägt und gleichzeitig offen bleibt für neue Erkenntnisse.
Denn das Pferd interessiert sich nicht dafür, welcher Methode wir folgen.
Es interessiert sich dafür, ob wir ihm zuhören.
Wenn Menschen mit ihren Pferden zu mir kommen, möchte ich deshalb keine Kopie meiner Arbeit aus ihnen machen.
Ich möchte ihnen helfen, ihren eigenen gemeinsamen Weg zu finden.
Denn so, wie ich nicht jemand anderes sein möchte, soll auch niemand versuchen, mich zu kopieren.
Jede Pferd-Mensch-Beziehung ist einzigartig.
Und genau darin liegt ihre Schönheit.
Vielleicht ist das der wichtigste Satz, den ich auf meinem bisherigen Weg gelernt habe:
Nicht jedes Pferd braucht dieselbe Ausbildung.
Aber jedes Pferd verdient, verstanden zu werden.
Und vielleicht gilt genau das auch für uns Menschen.
Deshalb werde ich wohl nie aufhören zu lernen.
Denn das schönste an meinem Beruf ist nicht, Pferde auszubilden.
Es ist, dass sie mich jeden Tag ein kleines Stück weiter ausbilden.
„Das Pferd ist der Professor und der Mensch sein
aufmerksamer Schüler.“
Dieser Satz begleitet mich seit meiner Kindheit.
Heute verstehe ich ihn mehr denn je und lebe ihn auf dem